Deutsche Bank

Unternehmerische Verantwortung
Bericht 2016

Menschenrechte achten

  • Verständnis und Bewusstsein für Menschenrechte erhöht
  • Risikomanagementprozesse für Lieferanten weiterentwickelt
  • Zweites Diskussionspapier der Thun-Gruppe mit verfasst

Die Öffentlichkeit erwartet zunehmend, dass auch nichtstaatliche Akteure die Menschenrechte bei ihren Geschäften wahren. Wir stimmen mit der Forderung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte überein, dass der private Sektor – also auch wir – weltweit auf die Einhaltung der Menschenrechte achten muss. Angesichts der sich laufend verändernden globalen Rahmenbedingungen und eines sich weiterentwickelnden regulatorischen Umfeldes erfordert dies, insbesondere in einem komplexen Geschäftsumfeld wie dem unseren, dass wir regelmäßig und in Kooperation mit anderen daran arbeiten, unsere Vorgehensweise und unsere Prozesse anzupassen.

Wissen erweitern und Bewusstsein schärfen

Wir stehen unverändert zu unserer Erklärung zu Menschenrechten, die sich an den UN-Leitprinzipien orientiert. Nachdem wir einige wesentliche Grundlagen im Jahr 2015 geschaffen haben, lag unser Fokus im Jahr 2016 darauf, das Wissen über und das Bewusstsein für die Bedeutung von Menschenrechten in der Bank zu stärken. Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit dem britischen Gesetz zur Bekämpfung moderner Sklaverei (UK Modern Slavery Act), und mit der Frage, wie wir es umsetzen können.

Im Rahmen unseres Trainings zum Umgang mit ES-Risiken haben wir darüber hinaus unsere Mitarbeiter auch zur Bedeutung der Menschenrechte bei unseren Geschäftstätigkeiten geschult.

Wir arbeiteten kontinuierlich daran, unsere Risikomanagementsysteme für Lieferanten zu verbessern. Wir beziehen Menschenrechtsaspekte in unsere Prüfprozesse für Lieferanten ein, um so Geschäftspartner besser identifizieren zu können, die durch ihre Geschäfte grundsätzlich ein höheres Risiko tragen, mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung zu stehen. Im Jahr 2017 werden wir jene Lieferanten formell überprüfen, bei denen unserer Einschätzung nach ein hohes Risiko besteht.

Menschenrechtsaspekte sind ein fester Bestandteil unseres bankweiten ES-Risikorahmenwerks. Indem wir Kundenbeziehungen und Geschäfte überprüfen, lernen wir über das komplexe Thema Menschenrechte jedes Jahr dazu. Das hilft uns wiederum dabei, menschenrechtsbezogene Risiken in unserem Entscheidungsprozess sehr viel früher zu berücksichtigen – und wie man sie begrenzt oder vermindert.

Beschwerdemechanismus

Wir werden durch unsere regulären Beschwerdemechanismen auf Unternehmen und Geschäfte aufmerksam, die Menschenrechtsrisiken bergen, so dass wir entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Wir arbeiten mit den Beschwerdeführern und in einigen Fällen auch mit den Rechteinhabern und anderen Parteien zusammen. Hierbei versuchen wir herauszufinden, wie schwerwiegend die Anschuldigungen sind, welche Rolle wir spielen, welchen Einfluss wir ausüben und welche Gegenmaßnahmen wir in die Wege leiten können.

Zusammenarbeit mit anderen Akteuren in unserem Sektor

Es gibt keine formelle Auslegung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte für den Finanzsektor. Deshalb hat sich die Thun-Gruppe informell zusammengefunden. In der Thun-Gruppe tauschen sich Vertreter internationaler Banken darüber aus, wie sie die Prinzipien umsetzen können. Auch im Jahr 2016 haben wir aktiv mit dieser Gruppe zusammengearbeitet und das zweite Diskussionspapier mit verfasst. In dem Papier wird das Leitprinzip 13b2 im Kontext des Unternehmens- und Investment Banking erörtert. Außerdem setzt es sich mit weiteren Aspekten des Prinzips 173 auseinander.

Gesetz zur Bekämpfung der modernen Sklaverei

Das britische Gesetz zur Bekämpfung der modernen Sklaverei (UK Modern Slavery Act) wurde 2015 verabschiedet, um Sklaverei, Leibeigenschaft, Zwangs- oder Pflichtarbeit und Menschenhandel zu bekämpfen und die Opfer zu schützen. Um die Anforderungen des Gesetzes zu erfüllen, haben wir eine interne Arbeitsgruppe gegründet, die von einer externen Rechtsanwaltskanzlei unterstützt wird. Die Arbeitsergebnisse dieser Gruppe sind die Basis für die gesetzlich geforderte Erklärung, die die Deutsche Bank im Jahr 2017 veröffentlichen wird. Aus den Arbeitsergebnissen werden wir auch unsere Schlüsse ziehen können, inwieweit wir unsere Managementprozesse verbessern müssen.

Ausblick für 2017

Um der dynamischen Entwicklung der Vorschriften und Ansprüche von Interessengruppen zu Menschenrechten gerecht zu werden, konzentrieren wir uns auf jene Bereiche, die für unsere Tätigkeiten relevant sind – und auf den Beitrag, den wir als führende globale Bank leisten können. Wir sehen uns weiterhin in der Verantwortung, unsere Governance-Strukturen, die Managementprozesse und den Dialog mit unseren Interessengruppen ständig zu verbessern – ebenso die transparente Berichterstattung zu Menschenrechtsfragen, die mit unserem Geschäft in Verbindung stehen.

2 Leitprinzip 13b: „(…) erfordert, dass Wirtschaftsunternehmen bemüht sind, negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu verhüten oder zu mindern, die aufgrund einer Geschäftsbeziehung mit ihrer Geschäftstätigkeit, ihren Produkten oder Dienstleistungen unmittelbar verbunden sind, selbst wenn sie nicht zu diesen Auswirkungen beitragen.“ Siehe Leitpinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (PDF)

3 Leitprinzip 17: „Um ihre nachteiligen menschenrechtlichen Auswirkungen zu ermitteln, zu verhüten und zu mildern sowie Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie ihnen begegnen, sollten Wirtschaftsunternehmen Sorgfaltspflicht auf dem Gebiet der Menschenrechte walten lassen. Das Verfahren sollte unter anderem darin bestehen, tatsächliche und potenzielle menschenrechtliche Auswirkungen zu ermitteln, die sich daraus ergebenden Erkenntnisse zu berücksichtigen und Folgemaßnahmen zu ergreifen, die ergriffenen Maßnahmen nachzuhalten sowie Angaben dazu zu machen, wie den Auswirkungen begegnet wird.“ Siehe Leitpinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (PDF)